Medienqualität, quo vadis? #Medien #Krise #Kostenloskultur #Meinung

Ein paar Gedanken. Kein Anspruch auf Vollständigkeit…

Manchmal frage ich mich: Kennen die verantwortlichen Medienmacher eigentlich noch das Zauberwort?

Leser-Blatt-Bindung

Leser(innen) sollten das höchste Gut sein für Medienmacher.

Ohne wohlgesonnene Leser und Käufer hat ein Medium auch keinen Wert für Anzeigenkunden. Vor diesem Hintergrund schaue man sich die Leserbriefseiten der Zeitungen und Magazine an.

Bzw. die Kommentar-Bereiche in Online-Medien. Wieviel Platz wird Ihnen eingeräumt? Gibt es kritische Leserbriefe, Kommentare? Wie wird auf kritische Anmerkungen reagiert?

Umfangreiche Leserbriefseiten? Leserbriefredaktionen? Wer braucht das denn?

Längst haben Controller, Verlagsgeschäftsführer, Gesellschafter und damit die Gewinnmaximierung – die Macht auch bei so genannten „Qualitätsmedien“. Der Typus „Verleger“ scheint ausgestorben.

Das ist tragisch für Medien, die sich ehemals als „vierte Macht im Staate“ einem unabhängigen, investigativen Journalismus und damit dem Bürger, dem Leser verpflichtet gefühlt haben. Tragisch auch für die Beschäftigten, Meinungsvielfalt und die Demokratie.

Qualitätsmedien vs. Medienqualität

Überall „herrschen“ im wahrsten Sinne des Wortes der Sparzwang und seine große Schwester, die Gewinnmaximierung.

Unternehmensberatungen sind die besten Kunden der Verlagsbranche. Nach Schema f wird rationalisiert… als wäre ein Medienhaus eine Dosenfabrik.

Die Qualität soll trotzdem aufrecht gehalten werden.

Das ist natürlich ein guter Witz.

Ein Witz für die Mitarbeiter (die festen und freien),

die Leserschaft

und am Ende auch für Anzeigenkunden.

Nur die Führungskräfte sind fein raus, in dem sie sich über Einsparungen profilieren.

Viele Mitarbeiter sind völlig überlastet, haben Angst um ihre Jobs, haben innerlich gekündigt und machen verständlicher Weise oft einfach irgendwie weiter.

Vertrauenskrise

Auch das Vertrauen der Leser schwindet zunehmend.

Rückläufige Auflagen und Reichweiten sprechen eine deutliche Sprache.

Den Vollpreis zahlende Anzeigenkunden ziehen sich zurück. Die Erlöse sinken weiter.

Stattdessen dominieren verlags-. bzw. konzernverbundene Anzeigen, Gegengeschäfte usw. die Anzeigenplätze. Publikationen werden zunehmend dünner.

Einige Ausnahmen von echtem Qualitätsjournalismus bestätigen natürlich die Regel.

Es gibt noch und wieder Medien, die für ihre Leser gemacht sind. Abseits der Massentitel. Ich nenne beispielhaft das von mir hoch geschätzte Magazin brand eins. Und es gibt noch einige mehr. Doch um diese erfreulichen Entwicklungen geht es in meiner heutigen Betrachtung nicht.

Die Vernachlässigung der Leserschaft und noch mehr geschieht im großen Stil, während Großverlage ihre gesamte Aufmerksamkeit der Entwicklung einer „Digitalstrategie“ widmen. Der großen ungeklärten Frage, WIE sie im Netz endlich viel, viel Geld verdienen können.

Das ewige Mantra „Print geht es so schlecht wegen der Kostenloskultur im  Internet“ scheinen viele Medienmacher selbst zu glauben.

Nein, liebe Medienverantwortliche. Euch geht es schlecht, weil Ihr zu gierig seid. Den investigativen Journalismus und den Leser aus dem Blick verliert.

In den Massenmedien steht nur noch das Gleiche. Überall.

Ihr werdet überflüssig, weil ihr kein eigenes Gesicht, keine Haltung mehr habt.

Der Spiegel sieht langsam aus wie der Stern.

Und der Stern sieht aus wie die Apotheken Umschau.

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Damit schließt sich nun der Kreis der Kostenloskultur auch in Print.

 

 

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