Der „öffentliche Mensch“ – SCHIRN Diskussion #Ausstellung #Blogparade #Privatsphäre #Gesellschaft #Kultur #socialmedia

Ryan McGinley  Marcel, Ann & Coley, 2007  23,5 x 35 cm  C-Print  Privatsammlung Fribourg/Schweiz  © Ryan McGinley  Foto: Courtesy of the artist, Alison Jacques Gallery, London, Team Gallery, New York, und Bischoff Projects,  Frankfurt

Ryan McGinley
Marcel, Ann & Coley, 2007
23,5 x 35 cm
C-Print
Privatsammlung Fribourg/Schweiz
© Ryan McGinley
Foto: Courtesy of the artist, Alison Jacques Gallery, London, Team Gallery, New York, und Bischoff Projects,
Frankfurt

Aufruf zur Blogparade: Privatsphäre – Fluch oder Segen?

Das SCHIRN MAGAZIN fragt im Rahmen der Ausstellung „Privat“ nach den Vor- und Nachteilen des im Wandel begriffenen Privatsphäre-Begriffs unserer Gegenwart.

„Privatsphäre: Ein in unserer Zeit viel diskutierter Begriff. Dabei scheint er schon längst überholt und von der „Post-Privacy“ abgelöst worden zu sein. Wir bewegen uns ganz natürlich in sozialen Netzwerken, in denen wir unseren Beziehungsstatus, unsere Urlaubsfotos und unser Lieblingskochrezept freizügig mit jedem Menschen teilen. Ist also Privatsphäre mittlerweile nur noch eine Einstellung unseres Facebook-Profils?

Der gewandelte Umgang mit unseren persönlichsten und intimsten Informationen ist auch an der zeitgenössischen Kunst nicht spurenlos vorübergegangen, wie sich in der Ausstellung „Privat“ eindrücklich nachvollziehen lässt. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet der Bereich „Post-Privacy“, in dem die aktuellsten Positionen zum Thema präsentiert werden. Der britische Künstler Mark Wallinger etwa zeigt in seiner Installation „The Unconscious“ Handyfotos von schlafenden Menschen, die er im Internet gefunden  hat. Der US-amerikanische Künstler Evan Baden parodiert eine heute omnipräsente Selbstinszenierung mit seinen detailliert nachgestellten Fotografien. Allerdings hat die digitale Selbstdarstellung und Enthüllung auch politische Seiten: Der chinesische Künstler Ai Weiwei betreibt einen Blog, auf dem er vordergründig sein Leben und Arbeiten öffentlich macht – bei genauer Betrachtung aber deckt er damit auch gravierende Probleme seines Heimatlandes China auf.“

Jeder wird täglich eingeladen, sich über seine Privatsphäre – und die der anderen – Gedanken zu machen. Zum Beispiel ganz banal dann, wenn man öffentlich telefoniert. Heute ist es für die Menschen selbstverständlich. Wir bekommen Dinge mit, von denen wir eigentlich gar nichts wissen wollen, geben während eines Telefonats Menschen in der direkten Umgebung oftmals sehr private Einblicke in unser Leben. Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Telefonate privat. Es gab nur den Festanschluss oder die Telefonzelle.

In sozialen Netzwerken wie facebook gehen viele Nutzer sehr sorglos um mit ihrer Privatsphäre. Insbesondere Kindern und Jugendlichen ist oft gar nicht klar, was sie dort alles preisgeben von sich. Nebem dem Stichwort „Medienkompetenz“ erscheint mir die Vermittlung von Wissen und Bewusstsein zum Themenkomplex „Der öffentliche Mensch“ eine große Herausforderung.

Toll, dass die Schirn Kunsthalle Frankfurt dieses hochkomplexe Thema in der aktuellen Ausstellung „Privat“ sichtbar und erlebbar macht. Diese Ausstellung regt an zum kritischen Denken und ich hoffe, dass auch viele Kinder und Jugendliche sie besuchen (werden). Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. Februar.

Ich freue mich auf viele inspirierende Blogbeiträge im Rahmen der Blogparade #Privatspähre, die ich mit großem Interesse verfolge. Die Blogparade endet übrigens am 23. Januar 2012.

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